Rinder als Botschafter der Rhön. Landwirte sind mit dem Öko-Projekt Biosphärenrind zufrieden

Stefan Hohmann auf der Weide mit einigen seiner Rinder. Foto: Rainer Ickler.

Der Verein Rhöner Biosphärenrind verbindet Natur- und Artenschutz mit der Erhaltung der Kulturlandschaft. Dazu liefern die auf hochgelegenen Weiden grasenden Tiere Ökofleisch. Die Mitglieder sind zufrieden mit ihrem Öko-Nischen-Projekt.

„Bella, Luise, Emma“, ruft Stefan Hohmann in Richtung der grasenden Kühe. Und kurz darauf kommen sie schon angelaufen, um ihr Herrchen auf der Wiese zu begrüßen. „Ich kenne meine Tiere und sie mich“, sagt er. Hohmann ist Vorsitzender des Vereins Biosphärenrind. Die Kühe sind ein Standbein des Landwirts. Das wichtigere sind aber die männlichen Rinder. Die meisten Tiere von Hohmann weiden zusammen mit etwa 250 Rindern auf den zwei großen Hutungen am Steinkopf und am Mathesberg oberhalb von Wüstensachsen. Insgesamt betätigen sie sich dort oben als Naturschützer und als Förderer des Rhön-Tourismus. Es sind Tiere der Rassen Deutsches Fleckvieh, Angus, Limousin, Herefors und Charolais, die ein eindrucksvolles Bild abgeben.

Die Gemeinde Ehrenberg verpachtet die Flächen und ist froh, dass sie vom Verein Biosphärenrind genutzt werden. „Wenn die Rinder dort oben nicht weiden, würden die Flächen verbuschen“, macht der Ehrenberger Bürgermeister Thomas Schreiner (parteilos) auf die Bedeutung der Nutzung der Fläche aufmerksam. Die Tiere tragen mit dazu bei, dass die Rhön das Land der offenen Fernen bleibt. Zudem sind die Bergwiesen aus Sicht des Naturschutzes und des Tourismus von großer Bedeutung. Denn für die Wanderer sind die grasenden Kühe auf den Hutungen eine Attraktion. „Es ist ein Aushängeschild für die Rhön und das Biosphärenreservat“, sagt Schreiner.

Klein hat der Verein vor 17 Jahren angefangen. Neun Landwirte hatten die Idee, das Fleisch der Rinder ökologisch zu vermarkten und sie artgerecht zu halten. Jetzt sind es knapp 80, deren rund 700 Rinder in den Höhenlagen der hessischen, der bayerischen und der thüringischen Rhön weiden, erzählt Hohmann. Es sind meist mittelgroße Betriebe, die mitmachen, die Mehrzahl sind Nebenerwerbsbauern. Die meisten, Hohmann schätzt 25, kommen aus dem Ulstertal.

Die Viehhaltung auf den Weiden in den Höhenlagen der Rhön hat viele Vorteile, erzählt Hohmann. „Bei uns sind die Rinder 24 bis 28 Monate auf der Weide in der freien Natur. Im Vergleich dazu werden die Tiere in der konventionellen Bullenmast schon nach nur 18 Monaten geschlachtet, bekommen statt des Grases Mais und Sojaschrot zu fressen und haben in den Ställen auf Spalten wenig Bewegung“, erklärt Vorsitzender Hohmann.

„Mit unserer Weidehaltung und dem späteren Schlachten hat das Fleisch mehr Zeit schonend und natürlich zu wachsen. Dies macht sich im Geschmack bemerkbar“, ist er überzeugt. Viel besser geht es doch nicht. „Die Tiere werden artgerecht gehalten und liefern noch Top-Fleisch.“

Da die Landwirte sich nicht um alles kümmern können, übernimmt die Kurhessische Fleischwaren in Fulda die Vermarktung, sagt Hohmann. Die Erfahrungen des Vereins mit dieser Verfahrensweise sind gut und die Preise stimmen. „Die Leute sind bereit, für gutes Bio-Fleisch etwas mehr zu bezahlen“, freut sich Hohmann über das Nischen-Projekt.

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